Die Sonne brannte auf die staubigen Straßen von Jericho. Händler riefen ihre Waren aus, Esel trotteten müde durch die engen Gassen, und das geschäftige Treiben erfüllte die Luft mit Stimmen und Geräuschen. Am Rand der Straße, an derselben Stelle wie jeden Tag, saß ein Mann namens Bartimäus.
Bartimäus war blind. Seit vielen Jahren konnte er die Welt um sich herum nicht mehr sehen. Er wusste nicht, wie die Sonne auf den Dächern glitzerte oder wie das frische Brot auf dem Markt aussah. Er kannte nur die Dunkelheit. So saß er Tag für Tag an der Straße und bettelte. Er hörte die Schritte der Menschen, das Klappern von Sandalen auf dem Pflaster, das Lachen von Kindern und das Flüstern der Frauen. Aber er selbst war unsichtbar – nur ein Bettler, an dem die Leute vorübergingen.
An diesem Tag aber war etwas anders. Ein ungewöhnliches Geräusch drang an seine Ohren. Viele Menschen bewegten sich aufgeregt durch die Straße, als würde etwas Besonderes geschehen. Stimmen riefen durcheinander, eine Welle von Spannung lag in der Luft.
Neugierig fragte Bartimäus: „Was ist los? Warum ist hier so viel Lärm?“
Jemand blieb kurz stehen und sagte: „Jesus von Nazareth kommt vorbei!“
Bartimäus’ Herz schlug schneller. Jesus! Der Mann, von dem er so viel gehört hatte. Der Wundertäter, der Blinde sehen und Lahme gehen ließ. Der, von dem manche sagten, er sei der Messias, der Sohn Gottes.
Bartimäus konnte nichts sehen, aber er fühlte Hoffnung in sich aufsteigen wie eine Flamme, die wieder entfacht wird. Dies war seine Chance. Vielleicht die einzige, die er je bekommen würde!
Mit aller Kraft rief er: „Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“
Die Menschen um ihn herum schauten genervt. „Sei still, Bettler! Stör den Meister nicht!“, fuhren sie ihn an.
Doch Bartimäus ließ sich nicht beirren. Wenn Jesus ihm helfen konnte, dann durfte er nicht schweigen! Noch lauter rief er: „Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“
Da blieb Jesus stehen. Plötzlich wurde es still. Die Menschen hielten den Atem an. Jesus drehte sich um und sagte zu seinen Jüngern: „Ruft ihn zu mir!“
Sofort änderte sich die Haltung der Menge. Jemand fasste Bartimäus an der Schulter und sagte freundlich: „Sei guten Mutes! Steh auf, Jesus ruft dich!“
Ohne zu zögern sprang Bartimäus auf, ließ seinen Mantel liegen und tastete sich nach vorn, bis er vor Jesus stand.
Sanft fragte Jesus: „Was willst du, dass ich für dich tue?“
„Herr, dass ich sehen kann“, antwortete Bartimäus voller Hoffnung.
Da sprach Jesus: „Geh, dein Glaube hat dich gesund gemacht.“
In diesem Moment wich die Dunkelheit. Bartimäus blinzelte – und zum ersten Mal seit Jahren sah er das Licht der Sonne, die Farben der Stadt und die Gesichter der Menschen. Freude überflutete ihn. Jesus hatte ihn geheilt!
Doch er kehrte nicht zu seinem alten Leben zurück. Mit offenen Augen und einem dankbaren Herzen folgte er Jesus nach – denn er wusste: Das wahre Licht hatte ihn gefunden.
Botschaft der Geschichte
Jesus hört uns, wenn wir ihn brauchen, und er hilft uns. Wir können ihm alles sagen, und er kümmert sich um uns.
Bibelstelle
Die Geschichte, wie Jesus Bartimäus heilt, findet sich in Markus 10, 46-52:
„Und sie kamen nach Jericho. Und als er mit seinen Jüngern und einer großen Volksmenge von Jericho auszog, da saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, der blinde Bettler, am Weg. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth sei, begann er zu rufen und sprach: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich über mich! Und viele fuhren ihn an, er solle schweigen; er aber schrie umso mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich über mich! Und Jesus blieb stehen und ließ ihn rufen. Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf; er ruft dich! Da warf er seinen Mantel ab, stand auf und kam zu Jesus. Und Jesus begann und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde! Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich gerettet! Und sogleich wurde er sehend und folgte Jesus nach auf dem Weg.“